Zwischen Empörung und Selbstzweifel – Eine Generationenbetrachtung aus der Perspektive eines 72-Jährigen

Eine direkte Ermunterung zur Diskussion

1. Persönlicher Ausgangspunkt: Das wachsende Unbehagen eines rüstigen Zeitgenossen

Seit einigen Wochen beobachte ich bei mir ein wachsendes Unbehagen, das sich langsam, aber stetig aufstaut. Natürlich frage ich mich mit meinen 72 Jahren durchaus, ob dieser Frust nicht vielleicht einfach altersbedingte Umständlichkeit ist – schließlich neigt man im Alter nicht selten dazu, Dinge kritischer zu sehen oder zu verallgemeinern. Um einer möglichen geistigen Trägheit entgegenzuwirken, beschäftige ich mich bewusst intensiv mit anspruchsvollen Tätigkeiten: Ich lerne eine Fremdsprache, verfasse Bücher und Artikel und versuche, meinen Geist durch kontinuierliche intellektuelle Arbeit rege zu halten.

Was mich jedoch in letzter Zeit zunehmend aufwühlt, ist das, was ich in den Medien lese und sehe – insbesondere die Art und Weise, wie der Generationenkonflikt heute ausgetragen wird. Grundsätzlich ist dieser Zwist zwischen Jung und Alt kein neues Phänomen; er existiert, seit es Generationen gibt. Schon meine Großeltern hatten ihre Kritik an der Jugend, und auch meine Eltern beklagten sich oft über die nachfolgende Generation. Das Narrativ, dass die jeweilige Jugend immer „schlechter“ werde, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Dennoch habe ich dieses Spannungsverhältnis noch nie in einem derart aggressiven, polarisierten und entmenschlichenden Ausmaß erlebt wie gegenwärtig. Ich halte es daher für dringend notwendig, diese Problematik einmal grundlegend zu thematisieren und sachlich zu durchleuchten.

2. Die mediale Schieflage und der Niedergang der Informationskultur

Ich gebe offen zu, dass ich momentan eine tiefe Abneigung gegenüber dem hemmungslosen Treiben junger Menschen auf diversen Internetplattformen empfinde. Besonders die Plattform TikTok empfinde ich als Sinnbild für diese Entwicklung: Dort scheint jeder nach Belieben seinen Unsinn verbreiten zu können, ohne dass nennenswerte inhaltliche oder ethische Hürden bestünden. Es wird gelogen, übertrieben und verzerrt, was das Zeug hält – und verantwortliche Stellen greifen kaum ein. Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden lediglich jene Fälle, in denen die Hetze gegen unsere Politiker gerichtet ist; dann schaltet der Rechtsstaat plötzlich blitzschnell und die Behörden reagieren sofort. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, was ich äußerst problematisch finde.

Ich selbst habe mich schon vor längerer Zeit weitgehend aus den öffentlich-rechtlichen und großen kommerziellen Medien zurückgezogen. Ich kann mir den dort verbreiteten „Blödsinn“ nicht mehr anhören, da ich überzeugt bin, dass viele Sendungen weniger der Wahrheitsfindung dienen, sondern vielmehr gezielt gesteuert sind, um den jeweiligen Machthabern den Rücken zu stärken. Die Bevölkerung wird meiner Ansicht nach nicht wahrheitsgemäß informiert, um sich eine eigenständige Meinung bilden zu können – stattdessen werden Halbwahrheiten und verschleiernde Darstellungen geboten.

Leider ist es auf Plattformen wie TikTok nicht anders – im Gegenteil. Ich schätze, dass etwa 80 Prozent des dort geposteten Inhalts reiner Unsinn oder bewusste Falschinformation sind. Im Laufe der Zeit lernt man jedoch, bestimmte Informationsfragmente herauszufiltern, die durchaus einen wahren Kern haben könnten, und diese dann durch intensive Eigenrecherche im Internet zu vertiefen. Doch was dort insgesamt von sich gegeben wird – und das zu einem Großteil von Menschen unter 25 Jahren – ist oft dermaßen geschmacklos und respektlos, dass einem wirklich die Haare zu Berge stehen.

3. Erschreckendes Fallbeispiel: Menschenverachtender Hass auf TikTok

Ein besonders erschreckendes Beispiel erlebte ich kürzlich, als ein junger Mann (leider habe ich den Namen vergessen) sich auf dieser Plattform völlig ungeniert über behinderte Menschen lustig machte und ihnen nicht nur den Respekt, sondern gleich jedes Existenzrecht absprach. Was mich dabei am meisten empört, ist die Tatsache, dass solch menschenverachtender Hass auf dieser Plattform scheinbar geduldet wird. Ich bin stets bemüht, höflich und tolerant zu bleiben, doch bei solchen Auswüchsen hört bei mir die Nachsicht auf. Ich bin ernsthaft der Ansicht, dass dieser Kerl dringend psychiatrisch untersucht werden sollte – denn geistige Behinderungen und psychische Erkrankungen sind ernstzunehmende Leiden, und wenn ich sein Verhalten betrachte, scheint mir der Aufenthalt in einer entsprechenden Einrichtung weitaus angemessener zu sein als die ungehinderte Verbreitung seiner widerwärtigen Ansichten im öffentlichen Netz.

4. Die pauschale Abwertung der älteren Generation – eine Frage der Lebensleistung

Für mich steht außer Frage, dass Achtung und Respekt keine Altersfrage sein dürfen. Jeder Mensch – ob jung oder alt – verdient ein grundlegend respektvolles Gegenüber. Was ich jedoch in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte zunehmend nicht mehr verstehen kann, ist die pauschale Abwertung, die mir als über Fünfzigjähriger, weißer Mann aus Teilen der jungen Generation entgegenschlägt. Manchmal habe ich das beklemmende Gefühl, dass man mich am liebsten in ein Lager abschieben würde, nur weil ich einer bestimmten Altersgruppe angehöre. Doch was habe ich getan, um diese Feindseligkeit zu verdienen?

Werfen wir einen Blick auf mein Leben: Ich habe über 45 Jahre lang hart gearbeitet und drei Kinder großgezogen. Ich habe meine Ehefrau und eine meiner Töchter durch den Tod verloren – einen Schicksalsschlag, der mich bis heute prägt – und ziehe nun meinen Enkel alleine groß. Darüber hinaus habe ich nicht nur im Inland Verantwortung übernommen, sondern auch international: Aus meinem eigenen finanziellen Polster habe ich einer Frau in Ecuador eine Brustkrebsoperation bezahlt und über ein Dutzend Kindern in Kolumbien finanziell unter die Arme gegriffen, um sie aus ihrer Not zu befreien. Noch heute kümmere ich mich um die Unterstützung hilfsbedürftiger Kinder in diesen Ländern. Wenn ich all das Revue passieren lasse, stelle ich mir wirklich die Frage: Was genau habe ich falsch gemacht? Das würde ich mir wirklich gerne einmal von denen erklären lassen, die mich aufgrund meines Alters in eine bestimmte Schublade stecken.

Natürlich ist mir vollkommen bewusst, dass es auch auf der anderen Seite ältere Menschen gibt, die sich abfällig, verallgemeinernd und respektlos über die Jugend äußern und sich vermutlich auch entsprechend verhalten. Aber genau das ist der Punkt: Wegen einiger weniger Vertreter einer Gruppe kann man doch nicht eine gesamte Generation über denselben Kamm scheren! Dieses pauschale Vorurteil, das mir entgegenschlägt, empfinde ich als reine Diskriminierung – ja, ich würde sogar so weit gehen, es als eine Art von Altersrassismus zu bezeichnen, denn mir wird aufgrund meines Alters und Geschlechts mein individueller Charakter und meine Lebensleistung abgesprochen. Übrigens, die Diskriminierung aufgrund des Alters wird fachlich als Ageismus oder Altersdiskriminierung bezeichnet.

5. Das heikle Thema: Blicke, Aufmerksamkeit und die Arroganz junger Frauen

Nun möchte ich einen heiklen Punkt ansprechen, der mir ebenfalls auf dem Herzen liegt – das Verhalten junger Frauen gegenüber älteren Männern. Bitte entschuldigen Sie vorab den etwas derben Ausdruck, den ich im Folgenden verwende: Ich kenn ihn von meiner Jugendzeit, der junge Mädchen bis 25 Jahre gelegentlich als „Tussis“ bezeichnete. Ich weiß, dass diese Bezeichnung an sich diskriminierend ist, aber ich muss ehrlich sagen: Die Arroganz und Überheblichkeit, mit der manche junge Frauen heute älteren männlichen Wesen begegnen, empfinde ich als ebenso diskriminierend. Mit welcher Selbstverständlichkeit treten sie auf? Wo liegt das Problem, wenn ein älterer Mann einmal einem jüngeren Mädchen hinterherschaut?

Ich vergleiche das gerne mit dem Betrachten einer schönen Blume – ich tue dies ohne jede Hintergedanken, ohne Absichten oder Übergriffe. Es ist einfach eine natürliche, menschliche Regung, etwas Ästhetisches oder Auffallendes mit den Augen zu verfolgen. Warum sollte mir dieses schlichte Anschauen verwehrt sein? Wenn junge Frauen wirklich absolut nicht möchten, dass sie jemals von außen wahrgenommen werden, dann bliebe ihnen im Extremfall nur, sich völlig zu verhüllen – aber das ist weder praktikabel noch erstrebenswert, und es ist sicherlich auch nicht das, was sie wirklich wollen. Denn Fakt ist: Wer sich schminkt, auffällige oder betonte Kleidung trägt und durch sein Auftreten bewusst Aufmerksamkeit erregt, der provoziert zwangsläufig Blicke. Das ist keine Rechtfertigung für Belästigung, aber es ist schlichtweg menschliche Natur.

Diese Einschätzung kann ich durchaus aus eigener Erfahrung untermauern, habe ich doch selbst drei Töchter großgezogen. Ich erinnere mich noch genau an ihre Verhaltensweisen, als sie 18, 19 oder 20 Jahre alt waren. Sie haben damals vieles getan, um Aufmerksamkeit zu erregen – natürlich in erster Linie von Männern in ihrem eigenen Alter, das ist völlig klar. Aber wer derart um Beachtung buhlt, muss meiner Meinung nach auch damit zurechtkommen, dass diese Aufmerksamkeit nicht nur von der gewünschten Zielgruppe kommt, sondern eben auch von älteren Menschen. Ich persönlich sehe in einem harmlosen, respektvollen Blick keinerlei Problem – ganz im Gegenteil: Es ist ein Zeichen von Lebendigkeit und Wertschätzung.

Genauso die sinnlose Diskussion darüber wie groß der Altersunterschied zwischen Paare sein darf. Bitte schön das geht nur den Paaren etwas an. Die müssen damit klar kommen. Kümmert euch um euren eigen Dreck. Interessanterweise scheint das nur in unserer Kultur eine Rolle zu spielen. Ich kenne andere Kulturen da spielt das alter keine Rolle, sondern Werte wie Geborgenheit, Kontinuität, Respekt, Vertrauen, Verlässlichkeit.

6. Die erschreckende Alltagsarroganz der Jugend und die fehlende Lebenserfahrung

Was mir in diesem Zusammenhang noch zusätzlich und immer wieder schmerzlich auffällt, ist die wachsende Kluft zwischen den Generationen – und mit dieser Distanz scheint auch eine Arroganz und Überheblichkeit bei einem Großteil der heutigen Jugend einherzugehen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte keinesfalls alle jungen Menschen über einen Kamm scheren. Es gibt zweifellos viele junge Leute, die ausgesprochen nett, hilfsbereit, rücksichtsvoll und verständnisvoll sind. Aber ich muss dennoch mit Bedauern feststellen, dass ein beachtlicher – und vor allem sehr lauter – Teil dieser jungen Generation von einer Selbstherrlichkeit geprägt ist, die mich zutiefst beunruhigt.

Nehmen wir nur die sozialen Medien, allen voran TikTok, als seismografischen Spiegel dieser Entwicklung. Da macht sich ein junges Mädchen, das ich auf höchstens 18 Jahre schätze, in einem Video öffentlich über seine eigenen Großeltern lustig, nur weil diese Schwierigkeiten haben, mit ihrem neuen Smartphone klarzukommen. Oder ein anderer junger Kerl, der an der Supermarktkasse steht und einen älteren Herrn, der vielleicht nicht mehr so flink mit dem Kleingeld hantiert, wüst beschimpft. Er brüllt ihm regelrecht entgegen, er solle sich doch „zum Teufel scheren“ und Platz für die Leistungsträger machen. Dieses aggressive, entmenschlichende Auftreten lässt mir buchstäblich die Nackenhaare zu Berge stehen.

Was diese jungen Leute jedoch scheinbar völlig übersehen, ist die erschütternde Ironie ihrer eigenen Unfähigkeit. Dieselben Jugendlichen, die sich über die angebliche „Begriffsstutzigkeit“ der Alten mokieren, sind oft selbst nicht mehr in der Lage, die elementarsten alltäglichen Fertigkeiten zu beherrschen. Sie können keine analoge Uhr mehr lesen, weil ihnen das digitale Display jede Denkleistung abnimmt. Sie schaffen es nicht, einen platten Fahrradschlauch zu flicken, ein verrutschtes Bild gerade an die Wand zu hängen oder auch nur eine einfache Steckdose zu wechseln. Hier zeigt sich eine gefährliche Schieflage: Die Jungen besitzen eine oberflächliche digitale Souveränität, die sie sofort mit intellektueller Überlegenheit gleichsetzen, während ihnen gleichzeitig die praktische Lebenserfahrung und das handwerkliche Grundwissen vollkommen abgehen, über die die ältere Generation selbstverständlich verfügt.

7. Die Ursachen: Verwöhnung, abwesende Eltern und ein Wertevakuum

Wenn ich mir dann die Biografien dieser jungen Leute genauer ansehe, wird mir auch klar, warum diese Diskrepanz so extrem ist. Sie sind in einer vollkommen behüteten Welt aufgewachsen: Sie lebten jahrelang auf Kosten ihrer Eltern, wurden mit dem Auto zur Schule und zum Training gefahren, mussten zu Hause kaum einen Handschlag tun und konnten ungestört ihren Vergnügungen und Hobbys nachgehen. Hausarbeit, handwerkliche Pflichten oder die Sorge um andere waren für sie Fremdwörter. Das Ergebnis dieser schonungslosen Verwöhnung sehen wir heute in aller Öffentlichkeit: Die wenigsten jungen Menschen haben gelernt, in vollen Bussen und Bahnen von selbst aufzustehen, wenn eine ältere, behinderte oder schwangere Person keinen Sitzplatz hat. Die sozialen Umgangsformen, die über Jahrhunderte den gesellschaftlichen Zusammenhalt sicherten – etwa das Halten einer Tür, ein höfliches „Danke“ oder eben das Anbieten eines Platzes – sind vielerorts auf ein Minimum geschrumpft.

Doch hier hört meine Kritik nicht bei der Jugend auf; ich muss die Verantwortung ebenso bei den Eltern und der gesamten Elterngeneration suchen. Denn letztlich sind es die Eltern, die ihren Kindern diese notwendige Höflichkeit, diese sozialen Werte und die praktischen Fertigkeiten hätten beibringen müssen. Sie haben es jedoch versäumt – aber ich unterstelle ihnen dabei keine böswillige Absicht oder Gleichgültigkeit. Die Eltern dieser Jugendlichen waren in den letzten Jahrzehnten gezwungen, den Großteil ihrer Zeit und Energie mit Erwerbsarbeit zu verbringen, oft in Doppeljobs oder mit langen Pendelwegen, um den Wohlstand zu sichern, den ihre Kinder heute genießen. Sie opferten ihre Präsenz zu Hause, um materiell alles bieten zu können – und genau in dieser Abwesenheit liegt der Keim des heutigen Generationenkonflikts. Sie hatten schlicht nicht mehr die Zeit, ihren Kindern die Werte zu vermitteln, die sie selbst einst von ihren eigenen Eltern gelernt haben. So entstand eine paradoxe Erblast: Die Eltern schufen den Wohlstand, aber entfremdeten sich dabei so sehr von der erzieherischen Verantwortung, dass die Kinder nun in einem Vakuum der Werte aufwachsen.

8. Der tiefe Riss: Ein Generationenkonflikt neuen Ausmaßes

Dieser Generationenkonflikt ist heute schärfer und tiefer als alles, was ich in meinem langen Leben jemals erlebt habe. Früher ging es bei den Auseinandersetzungen zwischen Jung und Alt meist um Stilfragen, Musikgeschmack oder politische Nuancen. Heute geht es um fundamentale Weltanschauungen, um den Wert von Arbeit, um das Verständnis von Respekt und um die Definition von Wissen selbst. Die Jungen, die in einer digitalen Blase der sofortigen Belohnung und des oberflächlichen Halbwissens leben, halten sich für überlegen, weil sie ein Smartphone bedienen können. Die Alten hingegen vertreten die Tugenden der Geduld, der handwerklichen Erfahrung und der sozialen Verpflichtung – Werte, die nicht in fünf Sekunden per Mausklick erlernbar sind.

Dabei wäre doch die Lösung so naheliegend und so einfach: Anstatt sich gegenseitig zu verachten, könnten die Generationen voneinander profitieren wie nie zuvor in der Geschichte. Die Jungen könnten den Alten die digitale Welt näherbringen und ihnen die Angst vor der Technik nehmen. Die Alten hingegen könnten den Jungen das praktische Handwerk, die Geduld im Umgang mit Menschen und die tiefe Lebensweisheit vermitteln, die nur Jahrzehnte der Erfahrung schenken können. Statt dieser fruchtbaren Synergie erleben wir jedoch eine toxische Polarisierung, bei der jede Seite die andere abwertet.

Die jungen Menschen vergessen dabei allzu oft, dass der Wohlstand, die Freiheit und die demokratische Stabilität, die sie heute wie selbstverständlich genießen, nicht vom Himmel gefallen sind. Sie sind das Ergebnis der harten, entbehrungsreichen Arbeit ihrer Groß- und Urgroßeltern. Ein wenig Demut und Dankbarkeit gegenüber den Erbauern dieser Gesellschaft täte der Jugend ungemein gut. Umgekehrt sollten wir Älteren uns jedoch auch bewusst machen, dass die Welt sich nun einmal weiterdreht und dass wir von der Kreativität und dem unverbrauchten Blick der Jugend ebenso profitieren können.

Letztlich geht es nicht um Sieg oder Niederlage im Kampf der Generationen. Es geht darum, den eigenen Stolz abzulegen und den anderen in seinem Anderssein zu akzeptieren. Wir sind nicht Feinde, wir sind verschiedene Kapitel desselben Buches – und nur wenn wir diese Kapitel gemeinsam lesen, ergibt die ganze Geschichte einen Sinn. Genau diese Erkenntnis scheint jedoch in der heutigen, von gegenseitigem Misstrauen vergifteten Diskussion völlig unterzugehen.

9. Der Kern des Übels: Der systematische Abbau unseres Bildungssystems

Wenn ich die aktuellen Entwicklungen in unserer Gesellschaft betrachte, komme ich zu dem erschütternden Schluss, dass wir es mit einem tiefgreifenden, strukturellen Niedergang zu tun haben. Und ich bin zunehmend davon überzeugt, dass die wesentlichste Ursache dieser Erosion in der systematischen Vernachlässigung und dem kontinuierlichen Abbau unseres Bildungssystems in den letzten Jahrzehnten zu suchen ist.

Früher, und das kann ich aus eigener Erfahrung bezeugen, war das Bildungsideal ein völlig anderes. Es ging um die Förderung von Höchstleistungen, um das Ausschöpfen individueller Talente und um die Vermittlung eines breiten, tiefgreifenden Wissensfundaments. Heute hingegen habe ich den Eindruck, dass die Bildungsinstitutionen nicht mehr nach Exzellenz streben, sondern vielmehr versuchen, ein künstlich abgesenktes Einheitsniveau zu zementieren – ein Niveau, das sich am unteren Rand der Leistungsskala orientiert. Man hat sich offenbar darauf verständigt, die Schwächsten mitzuziehen, indem man die Messlatte für alle radikal herabsetzt, anstatt den Starken zuzutrauen, voranzugehen, und den Schwächeren gezielt zu fördern.

Dieser Trend spiegelt sich in den Abschlussprüfungen wider. Ich kann aus eigenem Erleben die Abiturniveaus der damaligen DDR und das heutige in Bayern vergleichen, und ich muss ganz klar feststellen: Das bayerische Abitur – das in der Bundesrepublik noch als besonders anspruchsvoll gilt – steht dem Abitur, wie es in der DDR gefordert wurde, in puncto Tiefe, Ernsthaftigkeit und Anspruch deutlich nach. Das dort vermittelte Wissen war wesentlich umfangreicher, die Denkprozesse wurden stärker gefordert und die Prüfungen verlangten ein Maß an eigenständiger Reflexion, das heute vielerorts schlicht nicht mehr abverlangt wird.

Mein tiefes Mitgefühl gilt heute in erster Linie den Lehrerinnen und Lehrern, die täglich an vorderster Front dieser Misere stehen. Wie soll ein qualifizierter, anspruchsvoller Unterricht gelingen, wenn in einer Klasse über 50 Prozent der Schüler die deutsche Sprache nicht einmal rudimentär beherrschen? Es ist doch völlig illusorisch, unter diesen Bedingungen anspruchsvolle Mathematik, anspruchsvolle Literatur oder komplexe geschichtliche Zusammenhänge vermitteln zu wollen. Die Lehrkräfte sind gezwungen, ihren Unterricht auf das sprachlich Machbare zu reduzieren – sie werden zu Übersetzern und Sprachhelfern degradiert, statt ihrer eigentlichen Berufung als Wissensvermittler und geistige Förderer nachgehen zu können. Dies ist keine Kritik an den zugewanderten Schülern, sondern ein Hinweis auf eine fatale bildungspolitische Fehlsteuerung, die die Standards für alle senkt und die heimische Bildungsqualität systematisch aushöhlt.

10. Die politische Führungskrise: Lebensfremde Entscheider

Dieses mangelnde Bildungsniveau – das sich in fehlender Allgemeinbildung, mangelnder sprachlicher Differenzierung und eingeschränkter Urteilsfähigkeit äußert – findet seine perfide Fortsetzung in der Qualität unserer politischen Führung, insbesondere in der Arbeit der Bundesregierung der vergangenen Jahre. Was kann man aber auch von Politikern erwarten, die niemals im wirklichen Leben, in der Produktion oder im handfesten Arbeitsalltag gestanden haben? Eine große Zahl von ihnen hat noch nie eine Schraube gedreht, noch nie eine Schicht in der Fabrik erlebt oder die Verantwortung für einen echten Betrieb getragen. Ihnen fehlt die elementare Ahnung, worauf es in der Arbeitswelt tatsächlich ankommt – sie kennen nur die sterilen Sphären von Fraktionssitzungen, Ausschüssen und Thinktanks.

Diese lebensferne Sozialisation führt zu einer verheerenden Unfähigkeit im Umgang mit den Bürgern. Sie haben nie gelernt, auf Augenhöhe zu reden, mit der Bevölkerung sachlich zu diskutieren, zuzuhören und durch überzeugende Argumente zu gewinnen. Stattdessen praktizieren sie eine dekretierende Politik, bei der alles von oben herab verordnet wird. Der einst gültige Grundsatz, dass alles, was der Mensch tut, erst durch seinen eigenen Kopf hindurchgehen muss – also durch kritische Prüfung, Reflexion und Zustimmung –, wurde völlig über Bord geworfen. Es herrscht im Prinzip das politische Faustrecht nach dem Motto: „Nimm oder stirb“ – Gesetze werden durchgedrückt, ohne dass das Volk sie versteht oder akzeptiert.

11. Das Ende der Diskussionskultur: Die Faust als Argument

Genau dieser systematische Bildungsmangel, dieser Verlust an geistiger Schulung und praktischer Lebensklugheit, spiegelt sich wie in einem Brennglas im heutigen Verhalten unserer Jugend wider. Es ist ein erschütterndes Schauspiel, das sich uns dort bietet: Da die elementare Kunst der Argumentation – das Abwägen von Pro und Contra, das geduldige Zuhören und das souveräne Gegenüberstellen von Thesen – nicht mehr vermittelt wird, wissen junge Menschen schlichtweg nicht mehr, wie man über unterschiedliche Ansichten sachlich und respektvoll diskutiert. Sie beherrschen nur noch die toxische Monokultur des eigenen Standpunkts.

Anstatt die eigene Meinung durch schlüssige Beweisführung, historisches Wissen oder logische Kohärenz zu untermauern, versucht man heute, die eigene Ansicht dem Gegenüber mit brutaler Rücksichtslosigkeit aufzuzwingen. Und es geht längst nicht mehr um Worte allein. Wenn der andere nicht dieselbe Meinung teilt – sei es in politischen, gesellschaftlichen oder alltäglichen Fragen –, dann wird nicht etwa nachgehakt, nachgefragt oder debattiert, sondern es wird zugeschlagen. Die Faust wird zum Ersatz für das fehlende Argument. Die körperliche Attacke ist der letzte verzweifelte Ausdruck einer geistigen Bankrotterklärung.

Diese Entwicklung ist alarmierend, denn sie zeigt, dass der innere Kompass, der einst zwischen Meinungsverschiedenheit und persönlicher Feindschaft unterschied, vollkommen verloren gegangen ist. Heute genügt eine minimale Abweichung von der eigenen Denklinie, und schon wird der andere nicht mehr als Gesprächspartner, sondern als Staatsfeind wahrgenommen. Bist du nicht hundertprozentig mit der linken Position einverstanden, wirst du sofort zum radikalen Rechten gestempelt. Bist du nicht vollständig mit der rechten Position konform, giltst du unweigerlich als linksradikaler Spinner. Dieses binäre, schwarz-weiße Denken ist der Tod jeder Demokratie, denn Demokratie lebt von der Grauzone, vom Kompromiss und von der berechtigten Vielfalt der Perspektiven.

Warum ist das so? Ganz einfach: Weil man schlichtweg nie gelernt hat, mit scharfen, aber fairen Argumenten zu ringen. Wenn das intellektuelle Arsenal erschöpft ist – wenn die eigenen Fakten nicht ausreichen oder die Logik nicht mehr trägt –, dann bleibt als einziges Ventil nur noch die Beleidigung. Das Schimpfwort ersetzt den Beweis; die Herabwürdigung des Kontrahenten tritt an die Stelle der Widerlegung seiner These. Man hat vergessen, dass ein Streit, der mit gegenseitigen Beschimpfungen endet, von beiden Seiten verloren wurde. Ein echter Sieger ist nur derjenige, der den anderen durch bessere Argumente überzeugt – nicht durch Lautstärke, Schmähungen oder Verbote

Und genau dieses Verhalten beobachten wir im Großen leider auch auf der politischen Bühne. Im Übrigen bin ich fest davon überzeugt, dass die gegenwärtige Schwäche einer bestimmten politischen Strömung (oder mehrerer Parteien) daher rührt, dass unsere Politiker schlichtweg nicht mehr in der Lage sind, mit den Mitteln der reinen Rhetorik und des überzeugenden Wortes zu wirken. Sie haben es nie richtig gelernt – ihnen fehlt die rhetorische Schule, die Fähigkeit zur geschliffenen, mitreißenden Rede, die noch in früheren Zeiten politische Größen auszeichnete. Und weil ihnen die sprachliche Durchschlagskraft abgeht, versuchen sie nun mit anderen, härteren Bandagen zu kämpfen: mit Ausgrenzung, mit Kesseltreiben, mit dem gnadenlosen Versuch, den politischen Gegner mit juristischen oder medialen Keulen buchstäblich zu Boden zu ringen.

Doch diese Taktik wird nicht funktionieren, denn es gibt ein ehernes Gesetz der Politik: Was du einer anderen Partei an Unrecht oder Unfähigkeit anhängst, das produzierst du im eigenen Handeln meist selbst. Wer den Gegner der Lüge bezichtigt, aber selbst nur Halbwahrheiten verbreitet, verliert jede moralische Legitimation. Wer den Gegner der Demokratiefeindlichkeit anklagt, aber selbst demokratische Grundregeln mit Füßen tritt, offenbart nur seine eigene Widersprüchlichkeit. Dieses gegenseitige Bespitzeln und Anschwärzen, diese radikale Polarisierung – sie ist das Ergebnis eines verlernten Miteinanders.

12. Mein persönliches Bekenntnis: Ein Linker alter Schule und der Verlust der Streitkultur

Ich möchte an dieser Stelle ein persönliches Geständnis ablegen, das vielleicht überraschend wirkt: Ich selbst bekenne mich dazu, ein echter Linker zu sein – aber bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin weder Sozialdemokrat im heutigen Sinne, noch Anhänger der Partei „Die Linke“, die meiner Meinung nach ihren eigenen Anspruch längst verraten hat. Ich verstehe mich als linken Geist im klassischen, humanistischen Sinn – als jemanden, der für soziale Gerechtigkeit, für die Rechte der Arbeitenden und für die Freiheit des Individuums eintritt, aber immer auf der Grundlage von Vernunft und Dialog.

Und wenn ich zurückdenke an meine Jugend, an die wilden, aber fruchtbaren Jahre des politischen Erwachens, dann fällt mir der schmerzliche Kontrast zu heute besonders deutlich auf. Ich hatte damals viele Freunde, die der CDU oder der FDP angehörten – politische Gegner auf dem Papier, aber enge Vertraute im Herzen. Wir konnten stundenlang leidenschaftlich und hitzig über Gesellschaftsordnung, Wirtschaftspolitik oder den richtigen Weg für unser Land diskutieren. Wir konnten richtig streiten – mit Einsatz, mit Schweiß auf der Stirn –, aber wir wurden dabei niemals beleidigend. Es gab eine ungeschriebene Regel der Fairness: Man greift die Person nicht an, man widerlegt ihre Argumente. Man verachtet den anderen nicht, man respektiert ihn als ebenbürtigen Kontrahenten.

Und das Beste kam danach: Wenn die Diskussionen verklungen waren und die erhitzten Gemüter sich wieder abgekühlt hatten, trafen wir uns abends in der alten Kneipe um die Ecke, setzten uns zusammen an den Stammtisch, bestellten ein kühles Bier, holten die Skatkarten heraus und vergaßen alle politischen Differenzen. Da saßen dann der überzeugte Sozialist neben dem knallharten Wirtschaftsliberalen, und wir lachten zusammen, klopften uns auf die Schulter und stritten uns höchstens noch über die richtige Reizung oder den fehlerhaften Trumpf. Alles war vergessen, weil die Freundschaft stärker war als die politische Überzeugung. Der Mensch zählte mehr als das Parteibuch.

Genau diese wunderbare Kultur des kontroversen, aber versöhnlichen Miteinanders gibt es heute nicht mehr. Sie ist vollkommen abhandengekommen, weil man sie nie gelernt hat – weder in der Schule, noch zu Hause, noch im späteren Berufsleben. Heute definieren sich junge Menschen ausschließlich über ihre politische oder moralische Identität, und jede Abweichung wird als persönlicher Angriff gewertet. Man kennt den anderen nicht mehr als Menschen, man kennt nur noch sein Etikett. Und weil die persönliche Beziehung fehlt, fehlt auch die Hemmschwelle zur Brutalität. Man schlägt nicht auf einen Menschen ein – man schlägt auf ein Feindbild ein.

Wir müssen dringend zurück zu dieser verlorenen Kunst der zivilisierten Konfrontation. Wir müssen unseren Kindern und Enkeln wieder beibringen, dass ein anderer Standpunkt keine Bedrohung ist, sondern eine Bereicherung. Dass man voneinander lernen kann, indem man einander zuhört. Dass eine demokratische Gesellschaft genau davon lebt, dass unterschiedliche Interessen ausgeglichen werden – nicht mit der Faust, sondern am grünen Tisch, im offenen Wortgefecht, bei einem Glas Bier oder einer Tasse Kaffee.

Wenn wir diese essentielle Fähigkeit nicht schnellstens reanimieren, dann werden wir nicht nur die Jugend verlieren, sondern den gesamten gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dann wird aus der Generationenkluft ein unüberbrückbarer Abgrund, und aus der politischen Rivalität ein erbitterter Bürgerkrieg der Geister. Ich möchte nicht erleben müssen, dass mein Enkel eines Tages in einer Welt aufwächst, in der nur noch geschrien, gebrüllt und zugeschlagen wird – statt gesprochen, gelacht und gemeinsam Karten gespielt wird. Diese Aussicht ist für mich das eigentliche Drama unserer Zeit.

13. Das Vertrauensproblem: Die Heuchelei der politischen Klasse

Doch das eigentliche Gift dieser Entwicklung ist die vollkommene Absenz von Vorbildern. Welcher Politiker hat heutzutage noch das Charisma, die moralische Integrität und die Glaubwürdigkeit, um der Jugend oder der Gesellschaft als Leitfigur zu dienen? Wir erleben doch täglich, wie vor den Wahlen die großen Versprechungen gemacht werden – und unmittelbar danach im kleinsten Detail gebrochen werden. Diese Diskrepanz zwischen Wort und Tat hat das Vertrauen in die gesamte politische Klasse zerstört.

Besonders augenfällig wird diese Heuchelei z.B. im Bereich des Umweltschutzes. Da treten selbsternannte Naturschützer auf, die mit lautstarkem Aktionismus den Straßenverkehr blockieren und von den Bürgern Opfer für das Klima einfordern. Aber kaum ist die Kamera aus, fliegen dieselben Protagonisten mit dem Flieger munter in den Urlaub oder verhalten sich in ihrem privaten Konsumverhalten exakt so verschwenderisch wie diejenigen, die sie anprangern. Diese beiden Gesichter – das moralisierende auf der Straße und das genießerische im Privatjet – sind für viele Bürger kaum noch zu ertragen.

Und nicht nur die Grünen, sondern quer durch alle Parteien zeigt sich ein ähnliches Muster. Wenn Berufspolitiker sich Gehälter und Diäten einstreichen und diese Mittel gewissenlos für private Vergnügungen wie Luxusreisen verwenden, während sie gleichzeitig die Bevölkerung zur Sparsamkeit ermahnen, dann ist das ein eklatanter Vertrauensbruch.

Hier zeigt sich der fatale Teufelskreis: Mangelhafte Bildung führt zu einem Mangel an kritischem Denken und an innerer Souveränität. Eine uninformierte, überforderte Bevölkerung kann die komplexen Vorgänge der Politik nicht mehr durchschauen und wählt oft selbst jene, die ihr die Verhältnisse nicht erklären, sondern sie lediglich verwalten. Diese wiederum – selbst oft bildungsfern in Bezug auf Lebenserfahrung – produzieren eine Politik, die immer weiter an der Realität vorbeigeht. Der Bürger merkt das, verliert jeglichen Respekt und reagiert entweder mit Wut oder mit völliger Apathie – und genau diese Verrohung der Sitten ist der Nährboden für den sozialen Friedensbruch, den wir heute in vielen Ecken unserer Gesellschaft bereits schmerzhaft spüren.

14. Empörung aktuell: Das „Bündnis widersetzen“ und die Verhöhnung des Widerstands

Während ich diesen Artikel verfasse, läuft im Hintergrund das Fernsehen. Ich verfolge gerade die Pressekonferenz des sogenannten „Bündnis widersetzen“ in Erfurt und höre mir die Ausführungen von Noah Sanders an. Was ich da zu hören bekomme, lässt mich nur noch fassungslos den Kopf schütteln.

Die Thesen und Behauptungen, die er und seine Gruppierung verbreiten, sind für mich schlichtweg absurd und historisch unhaltbar. Ich frage mich ernsthaft: Was bilden sich diese Leute eigentlich ein? Haben sie überhaupt jemals eine fundierte Bildung genossen? Bei manchen Aussagen habe ich den Eindruck, dass bei ihnen die Synapsen völlig falsch verdrahtet sind – so realitätsfern und geschichtsvergessen sind ihre Äußerungen.

Besonders empört bin ich als Enkel. Meine Großeltern, haben unter dem Nationalsozialismus unsägliches Leid erfahren. Meine Großeltern waren überzeugte Kommunisten und Widerstandskämpfer. Einer von ihnen wurde im berüchtigten Gestapo-Gefängnis in Berlin zu Tode gefoltert. Die anderen Familienmitglieder verbrachten lange, qualvolle Haftstrafen im KZ Dachau. Sie alle haben ihr Leben riskiert, um gegen Unrecht, Unterdrückung und menschenverachtende Gewalt einzutreten. Wenn sie heute sehen könnten, wie blinde Gewalt von bestimmten Gruppen erneut verherrlicht oder gerechtfertigt wird – sie würden sich im Grabe umdrehen.

Es ist unfassbar, wie diese Gruppierung Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu legitimieren versucht. In meinen Augen ist dieses Verhalten sogar noch verwerflicher als das, was wir von rechtsextremen Strukturen kennen. Man könnte fast sagen: Diese Gruppe ist schlimmer als die Gestapo und SS der NS-Herrschaft, denn sie missbraucht den Begriff des linken Widerstands für reine Zerstörung, während sie gleichzeitig die Werte des Humanismus mit Füßen tritt.

Ich möchte klarstellen: Die akute Gewaltgefahr, die wir derzeit auf unseren Straßen erleben, geht nicht von der AfD aus – so sehr ich ihre politischen Inhalte auch ablehnen mag. Die tatsächliche physische Gewalt geht momentan von militanten linksextremen Gruppen aus, die sich selbst im linken Spektrum verorten. Doch genau diese Gruppen schaden dem linken Gedankengut in unverantwortlicher Weise. Sie verkommen zur Karikatur ihrer selbst und machen jeden ernsthaften linken Diskurs unglaubwürdig.

Die AfD hingegen agiert in dieser Hinsicht strategisch klug: Sie distanziert sich öffentlich von Gewalttaten und kann sogar nachweisen, dass linksextremistische Gruppen für einen Großteil der politisch motivierten Straftaten verantwortlich sind.

Bei diesen linksextremen Gruppen handelt es sich in erster Linie um junge Leute, die gerade ihren Schulabschluss geschafft oder ihr Studium abgebrochen haben. Sie haben keinerlei Erfahrung in produktiver Arbeit, keine Ahnung von den tatsächlichen Lebensrealitäten der Bevölkerung, aber dafür umso mehr radikale Parolen auf den Lippen. Sie sind für mich genauso Nazis – vielleicht sogar schlimmer als die rechtsextremistischen Kräfte in der AfD – denn sie treten mit moralischem Anspruch auf, verhalten sich aber autoritär, gewalttätig und demokratiefeindlich. Sie haben nichts aus der Geschichte gelernt, die meine Familie so teuer bezahlt hat, und machen den Kampf gegen Faschismus zur bloßen Farce.

15. Der moralische Werteverfall im Privaten: Von Handy-Spionage bis zur Doppelmoral bei Nacktheit

Es wäre dringend an der Zeit, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Wir brauchen keine abgesenkten Bildungsstandards mehr, die nur den kleinsten gemeinsamen Nenner produzieren. Wir brauchen wieder eine Bildung, die den Geist schärft, die praktische Lebensfertigkeiten vermittelt und die moralische Urteilskraft fördert. Und wir brauchen eine Politik, die ihren Namen verdient – geführt von Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, die ehrlich sind und sich nicht für etwas ausgeben, was sie nicht sind. Nur dann kann der schwelende Generationenkonflikt und das tiefe Misstrauen gegenüber den Eliten allmählich heilen.

Der Begriff der Moral scheint in unserer heutigen Gesellschaft völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Früher war Anstand etwas, das einem mit der Muttermilch gegeben wurde – heute wird er in den sozialen Netzwerken regelrecht mit Füßen getreten. Nehmen wir nur TikTok: Dort wird völlig ungeniert und schamlos gezeigt, wie man heimlich das Handy seines Partners ausspioniert. Es wird als eine Art „Lifehack“ präsentiert, als wäre es völlig normal, die Privatsphäre des geliebten Menschen zu missbrauchen.

Für mich ist das absolut undenkbar! Ich würde niemals auf die Idee kommen, das Handy meiner Partnerin zu durchsuchen – selbst wenn ich problemlos Zugang dazu habe. Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung; wer kontrollieren muss, hat bereits verloren. Dieses Verhalten zeigt doch nur, wie sehr die Achtung vor dem Gegenüber geschwunden ist. Früher hat man sich seine Sorgen direkt ins Gesicht gesagt, heute wird hinter dem Rücken des Partners geschnüffelt. Das ist nicht nur armselig, sondern zutiefst respektlos.

Und während dieser digitale Werteverfall um sich greift, passiert gleichzeitig etwas völlig Absurdes im analogen Leben: Eine junge Frau beschwert sich ernsthaft darüber, dass im Freibad ein vierjähriger Junge nackig herumläuft. Verdammt noch mal! Was habt ihr denn nur in euren Köpfen? Ein vierjähriges Kind kennt keine Scham, es ist pur und natürlich. Was ist so schlimm daran, einen unbeschwerten Jungen zu sehen, der einfach nur planschen will? Wenn Erwachsene bei einem Kleinkind sofort an etwas Anstößiges denken müssen, dann sagt das doch alles über den verdorbenen Blick dieser Erwachsenen aus – nicht über das Kind.

Doch dieser empörte Blick der Gesellschaft ist zutiefst heuchlerisch. Während man sich über die natürliche Nacktheit eines Vierjährigen aufregt, werden in manchen Krippen- und Kindergarteneinrichtungen tatsächlich Räume eingerichtet, die angeblich der „frühkindlichen Sexualerziehung“ oder gar sexuellen „Experimentierräumen“ dienen sollen. Die gleichen Leute, die einen kleinen Jungen im Freibad anprangern, feiern es vielleicht noch als fortschrittlich, wenn Kleinkinder im Kita-Altar mit Körperlichkeit konfrontiert werden, die sie in ihrem Alter gar nicht verarbeiten können. Diese Doppelmoral kotzt mich einfach an! Auf der einen Seite wird die kindliche Unschuld kriminalisiert, auf der anderen Seite wird sie von denselben Kreisen frühreif sexualisiert – nur mit umgedrehtem Vorzeichen. Ist es nicht lachhaft, wenn sich Menschen darüber aufregen, dass Mütter ihre Kinder in der Öffentlichkeit stillen? Ich rate jeder Mutter: Stillt eure Kinder, egal wo, wenn sie Hunger oder Durst haben. Ich denke, hier sollte die ältere Generation ihre Verhaltensregeln überprüfen.

So paradox es klingt: Die Leute, die sich am lautesten über ein nacktes Kleinkind aufregen, sind oft dieselben, die keinerlei Problem damit haben, Kleinkindern im pädagogischen Rahmen geschlechtliche Rollenspiele anzubieten. Was ist mit der kindlichen Entwicklungsphase, in der Körper einfach Körper sind? Warum muss man Erwachsenen-Fetische und -Ängste auf die Kleinsten projizieren? Hier verschieben sich die Maßstäbe ins völlig Unmoralische.

Das Ganze kommt – und da muss ich leider zustimmen – in erster Linie von der jüngeren Generation. Es ist diese Bubble aus selbsternannten „Woken“, die in ihrer digitalen Echokammer stecken, nie richtig gearbeitet haben und meinen, sie müssten die Welt nach ihren kranken Idealvorstellungen umkrempeln. Sie haben vergessen, dass Moral etwas mit gesundem Menschenverstand zu tun hat – und nicht mit dogmatischen Erziehungsratgebern oder TikTok-Trends.

16. Selbstkritik und Schlussappell: Der Kompass zeigt noch nach Norden

Aber ich bin fair genug, um mir selbst an die Nase zu fassen: Es ist durchaus möglich, dass ich mit diesen Ansichten nicht mehr ganz mitsprechen kann. Vielleicht bin ich wirklich der alte, spießige Mann, der die „gute alte Zeit“ verklärt. Vielleicht bin ich tatsächlich nicht mehr auf dem neuesten Stand dieser „modernen“ Werte. Aber mal ehrlich: Wenn dieser neue Stand bedeutet, dass man Beziehungen zerstört, indem man Handys ausspioniert, während man gleichzeitig die kindliche Unschuld verdächtigt und zerstört – dann bin ich verdammt froh, nicht mehr dazuzugehören!

Denn eines ist sicher: Die Geschichte wird über diese Generation einmal richten. Meine Großeltern haben für Werte wie Freiheit, Respekt und Menschlichkeit gekämpft und dafür bezahlt. Wenn ich heute sehe, wofür diese junge Generation kämpft – nämlich für digitale Überwachung innerhalb der Liebe und die Sexualisierung von Sandkastenkindern – dann frage ich mich wirklich, ob wir als Gesellschaft nicht längst den Bach runtergegangen sind. Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Mein moralischer Kompass mag altmodisch sein, aber er zeigt wenigstens noch nach Norden. Bei vielen Zeitgenossen scheint er hemmungslos im Kreis zu schwirren.

Abschließend möchte ich appellieren: Wir sollten endlich aufhören, uns gegenseitig in Schubladen zu stecken. Die jungen Menschen sollten die Alten nicht verachten, und die Alten sollten die Jugend nicht verdammen. Wir alle haben unsere Erfahrungen, unsere Nöte und unsere Sehnsüchte. Ein bisschen mehr Gelassenheit und gegenseitiges Verständnis täten uns allen gut – denn am Ende sitzen wir doch alle im selben Boot.

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