Ecuador/Kolumbien in Zeiten der Corona

Tag 22

Heute sind wir schon um 05:30 Uhr auf den Beinen. Nidias Neffe steht pünktlich 06:30 Uhr mit seinem Pick-up vor der Tür. Schnell sind die sieben Kisten und unsere Habseligkeiten verpackt. Wir verabschieden uns von unserer gastfreundlichen Familie und sind 10 Minuten später am Busbahnhof. Unser Gepäck lagern wir an einer Hauswand und Uschi passt darauf auf Ich sehe mich ein wenig um. Viele kleine Verkaufsstände sind schon offen und verkaufen alles Mögliche.  Nidia kümmert sich um eine Transportmöglichkeit.

Ich habe keine Ahnung wie sie das macht. Keine fünf Minuten später kommt sie zurück und wir verladen unsere Habseligkeit in einen großen Modernen Überlandbus und kurze Zeit später beginnt die Reise. Diesmal keine besondere Überraschung. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 60 km/h schaukeln wir durchs Land. Viel Zeit zum Schauen. Ich glaube sogar das ich ein wenig geschlafen habe. Unterwegs legt der Bus eine kurze Rast ein und Nidia besorgt etwas zu essen und zu trinken.

Kurz vor Ende der Busfahrt sehe ich wie Nidia mit einem Mann diskutiert.  Er scheint zwischen 30 und 40 Jahre zu sein. 1,80 groß und kräftig gebaut. Vom äußeren eine Respektperson. Viel habe ich von diesem Gespräch nicht mitbekommen. Ich glaube Nidia erklärte ihn wie er am besten zu Fluss zum Grenzübergang kommt. Er wollte wohl auch nach Ecuador.

In Putumayo angekommen haben wir keine große Zeit zum Ausruhen. Schnell hat Nidia einen Weitertransport für uns gefunden. Ein Kleintransporter, allerdings schon ziemlich überfüllt. Trotzdem unsere Sachen hinein und wir sollen auch noch hinein. Sardinen in einer Büchse haben bedeutend mehr Platz. Kurz bevor ich einsteige, fällt mein Blick auf das rechte Hinterrad des Fahrzeuges. Ich glaubte nicht was ich da sehe. Nicht nur das auf den Rädern kein Profil ist, was ja Normal zu scheinen scheint. Nein da war so gut wie keine Luft drauf. Ich sagte zu Nidia das ich mit diesem Fahrzeug nicht fahren werde und zeigte ihr den Grund. Gut – Gepäck aus dem Auto. Interessant, die Bekanntschaft von Nidia aus dem Bus und eine Frau die vermutlich zu diesem Mann gehörte half uns dabei.

Mit dieser Begleitung und zwei Kinder fahren wir zum Fluss dessen Wasserspiegel wieder abgesunken war so das wir auf das Schotterufer direkt zu den wartenden Kanus fahren konnten. Das Umsteigen ging flott vor sich. Besonders mit Hilfe dieser Familie. Ehe ich mich versah, befanden wir uns auf den Fluss.

Am anderen Ufer gab es Probleme beim Aussteigen. Die Uferböschung steil und sehr glitt schick. Nur mühsam Schafte ich es diese Böschung mit meiner Kiste hochzukommen, ohne mich im Schlamm zu wälzen. Aus sicherer Entfernung beobachtet ich dann den weiteren Entladungsvorgang.

Nach dem unser Gepäck und die der anderen Familie entladen und auf einen Haufen gestapelt war lief Nidia los ein Fahrzeug zu suchen. Was nach meiner Meinung gar nicht so schwer sein konnte. Es standen immer drei bis vier Transporter rum und ständig fuhren und kamen neue.

Es verging eine viertel Stunde, halbe Stunde. Obwohl es interessant war das Treiben zu beobachten und den Affen im Wald zuzuschauen wurde ich unruhig und fragte Nidia, warum wir nicht fahren. Sie erklärt mir ein paar Kilometer weiter hat die Armee einen Kontrollposten errichtet und die Transportfahrer möchte die uns angeschlossene Familie nicht transportieren.

Jetzt begreife ich. Die uns begleitente Familie sind Venezuelaner die nach Chile wollen. Schlagartig wird mir auch bewusst das ich mich gerade an einer Schleusung beteilige. Ich weiß das Nidia unterwegs irgendwelches Gebäck gekauft hat. Ich konnte mir vorstellen das die beiden Kinder, ein Junge und ein älteres Mädchen Hunger haben mussten. Ich gab ihnen das Gepäck zu essen die sehr erfreut waren. Weniger erfreut war Nidia. Dieses Gebäck hat sie extra für ihren Sohn Andre gekauft. Der diese gerne isst aber in Ecuador nicht zu kaufen bekommt.

Etwa eine Stunde gefühlte Zeit später kam ein Transporter und dessen Fahrer berichtete das die Armee unterwegs hierher ist. Unsere Venezuelaner schickte Nidia in den Wald. Ich sagte ihr, sollten wir kontrolliert werden bin ich hier, um sie bei ihren Haufen Gepäck abzuholen. Obwohl mir nicht klar war, wie wir das Gepäck der Venezolaner erklären sollen.

Kurz drauf kam ein Mannschaftstransporter der Armee. Es stiegen 15 Soldaten aus, die sich gruppenweise am Platz verteilten und interessiert das Treiben hier beobachteten. Besondere Aufmerksamkeit galt ein vollbeladenes Fahrzeug eine Forschungsgruppe mit einem Schaf, das über den Fluss soll. Es war nicht einfach dieses Tier auf das Kanu zu bekommen. Die Soldaten rissen einige Witze darüber. Mit besonderem Interesse beobachtete ich eine junge Indianerin, ich schätzte zwischen 16 und 18 Jahre, die ohne große Probleme die schweren Lasten auf die Kanus trug. Mein Respekt, ich denke ich hätte keins dieser Gegenstände unbeschadet verladen können. Nach 15 Minuten entfernten sie die Soldaten, ohne irgendwelche Kontrollen durchzuführen.

Nun ging es zügig voran. Sofort hatten wir zwei Transporter, die uns in die Stadt brachten. Nidia war wütend, weil der Preis für den Transport plötzlich höher war, wie vereinbart. Leider weiß ich nicht wer sich durchgesetzt hat. Sie oder der Fahrer. Gegen 15:00 erreichten wir den Busbahnhof in Nueva Loja.

Wenn ich jetzt glaubte, es geht nach Hause. Habe ich mich wieder geirrt, wie so oft. Nidia fragte mich ob es uns was ausmacht auf das Gepäck aufzupassen. Sie will mit den Venezolaner Geld umtauschen und essen besorgen. Was soll es uns ausmachen. Das hat mal wieder zwei Stunden gedauert. Nachdem Nidia für diese Familie noch Bustickets nach Quito besorgt hatte, waren wir gegen 17:30 endlich zu hause.

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