Ecuador/Kolumbien in Zeiten der Corona

Tag 27

Heute machen wir einen ruhigen. Bis frühen Nachmittag verschlafe ich in der Hängematte zwischen dem Hühnervolk. Beneide dabei den Hahn, der den ganzen Tag keine andere Aufgabe hat zu fressen, sein Frauenvolk zu beglücken und mich früh morgens um 02:00 Uhr aus dem Schlaf zu reisen, indem er glaubt mit anderen Hähnen, um die Wette schreien zu müssen. Zwischendurch erlerne ich das fachgerechte Öffnen von Kokosnüssen.

Gegen zwei, machen wir uns, Nidia, meine Frau und ich auf dem Weg zum Zentrum. Unser Ziel ist der Parque Recreativo Nueva Loja im Zentrum der Stadt. Diese Woche findet eine Art Handwerksmesse der Indigenen Handwerker und Künstler aus der Provinz statt. Wo es auch reichlich zu essen und zu trinken gibt.

Mit dem Bus sind wir in fünf Minuten da. Es ist sehr großer Platz und hat viel für die Freizeitplanung zu bieten. Er hat einen Tanzbereich, der auch zum Ausüben anderer Sportarten genutzt werden kann, einen Spielplatz mit Unterhaltungsgeräten für Kinder. Verkauf von Speisen und Getränken, einen Basketball- und Volleyballplatz, Spazierwege. Es gibt sogar einen Raum, in dem man kostenlos sitzen und auf einer supergroßen Leinwand Filme ansehen kann. Ein Teil der Sportplätze sind überdacht.

Wie erwartet, ist einiges los. Über Lautsprecher ertönt Musik, ab und zu unterbrochen durch Ansagen. Die einzelnen Stände sind U-Förmig auf den Platz aufgestellt. Die Stände waren überwiegend offene Partyzelte. Im Zentrum des U‘s, praktisch an der Stirnseite eine große Bühne, wo Musikgruppen ihre Darbietung erbringen.

Der erste Stand, ein Imbiss. In einem großen Trog ein Schweinekopf unversehrt. Das übrige von der Sau schon ziemlich ramponiert. Als Zugabe zum Fleisch, Reis und Maiskolben.

Daneben mit ca. 20 Meter Abstand ein Stand mit selbstgefertigtem Schmuck. Schön anzuschauen die vielen kleinen Ketten aus bunten Glasperlen, Armreifen Freundschaftsbänder und vieles andere. Für mich nichts neues, all diese Sachen habe ich auf vielen Märkten bereits gesehen. In erster Linie für Touristen hergestellt. Auf dem Markt sehe ich noch einige dieser Schmuckstände.

Daneben ein Stand mit irgendwelchem Gebäck. Aus Teig wundervolle bunte Figuren geformt. Diese erinnern mich an die Pfefferkuchenfiguren am Weihnachtsmarkt, bei uns zu hause. Dazu unterschiedliche Früchte.

Einen Stand weiter werden Kerzen und Heiligenfiguren aus Wachs gezeigt und verkauft.

Immer wieder wird Nidia bei unserem Rundgang angesprochen und in Gesprächen verwickelt. Das ist nicht besonders verwunderlich. Nidia als Grundschullehrerin und sehr sozial engagiert ist bekannt im Ort. Ich kenne das von meiner Frau. Sie arbeitete als Altenpfleger und wir konnten kaum in der Stadt laufen ohne von irgendjemanden angesprochen, gegrüßt und zu einem Gespräch verführt zu werden. Hier war es nicht anders. Zu meinen Leitwesen wurden wir dann auch gleich als Gäste aus Deutschland vorgestellt. Ich habe mich dabei oft wie ein ausgestelltes Fabelwesen gefühlt. Die ganze Sache hatte aber einen Vorteil. Wir durften überall probieren, kosten. Was ich als angenehm empfand.

Der Nächste Stand verwundert mich doch ein wenig. Hier wird Ecuadorianischer Wein verkauft. Verwunderlich deswegen, weil ich gar nicht wusste das Ecuador Wein produziert. Der Weinbau wie ich dann in Erfahrung bringen konnte, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Rebflächen umfassen wenige hunderte Hektar. Rund 50 Hektar befinden sich an der pazifischen Küste und unterliegen einem tropischen Klima. Hier sind durch die Nähe zum Äquator im Jahr bis zu drei Traubenernten möglich. Weitere Rebflächen mit rund 200 Hektar wurden anfangs der 1980er-Jahre in den Gebirgsprovinzen Azuay, Canar, Cotopaxi, Imbabura, Loja, Pinchincha und Tungurahua am Fuße der Anden angelegt. Hier gibt es kühleres Klima und nur eine Ernte. Dort pflanzte Mitte der 1980er-Jahre der deutsche Hermann Jäger aus Ockenheim am Rhein (ehemals Präsident des Rheinhessischen Weinbauverbandes) Reben auf 2.700 Meter Seehöhe. Diese zählen zu den höchstgelegenen Rebflächen der Welt.

Es waren die Inkas, die Ecuador den Wein gebracht haben. Die Ureinwohner haben bereits im 12. Jahrhundert nach Christus Trauben an Reben gezogen, sie vergären lassen und schließlich Wein daraus gemacht. Als die Spanier ins Land kamen, wurde der Weinanbau verboten, aber in Ecuador bediente man sich einer List und bekam die Erlaubnis, Reben zu pflanzen, um daraus Messwein zu machen. Der zu verkostende Wein hat mir ausgezeichnet geschmeckt. Ich habe mir vorgenommen beim nachhause Weg einige Flaschen mitzunehmen. Was ich leider dann vergessen habe.

Besonders eindrucksvoll waren für mich die Stände der Blumenbinder. Blumengestecke unterschiedlichster Größen, Formen und Farben. Sowas kann nur die Tropen hervorbringen und geschickte Hände der Blumenbinderinnen.

Zwischendurch immer wieder Stände mit Süßigkeiten aus Honig und Früchten. Ich fand auch einen Stand wo frischgebratener Cay (Meerschweinchen) angeboten wird.

Nidia interessiert sich für die Ausstellung eines Malers. Ziemlich lange diskutiert sie mit ihn über ein Bild und dessen Preis. Da beide keine Einigung erzielen konnten zogen wir ohne Bild von dannen. Ich fand die Bilder sowieso kitschig.

Langsam zieht es mich aus dem Trubel rauszukommen. Wir schlendern langsam nach Osten über den Park. Zuerst an einer Skulptur in Form eines Krokodils und dann kommen wir an einem Denkmal vorbei, gewidmet einer Gruppe von Soldaten der Fuerzo Espeziales Nr. 24 „Rayo“ aus der hiesigen Garnison die mit 124 Soldaten und Offiziere am Cenepa-Krieg teilnahmen. Der Cenepa-Krieg war ein militärischer Konflikt zwischen Ecuador und Peru. Der Krieg fand im Jahr 1995 statt und dauerte circa drei Wochen. Streitpunkt war der Grenzverlauf zwischen Peru und Ecuador in einem Gebiet nahe dem Río Cenepa. In diesem Krieg gab es etwa 500 Tote.

Strittig war der Grenzverlauf zwischen den Flüssen Río Zamora, Río Santiago und Río Cenepa. Der Grenzverlauf zwischen Río Zamora und Santiago konnte durch einen Schiedsspruch des Brasilianers Braz Dias de Aguia einvernehmlich gelöst werden, aber der Streitpunkt Rio Cenepa blieb. Ecuador beanspruchte den Río Cenepa, der schließlich in den Amazonas mündet, für sich, um die Schifffahrt zu erleichtern. Peru war von der Rechtmäßigkeit des eigenen Anspruchs auf Grund des Protokolls von Rio de Janeiro fest überzeugt. Dieses wurde von Ecuador allerdings seit 1960 schon nicht mehr respektiert. Infolgedessen beanspruchten beide Länder die Region unumstößlich für sich. Dies führte zu diplomatischen Konflikten, da beide Nationen bewaffnete Patrouillen in das Gebiet schickten. Bereits Anfang der 90er Jahre kam es dadurch zu Schusswechseln. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Konflikt 1991 durch den Streit um den peruanischen Militärposten Pachacutec in der umstrittenen Zone. Ein militärischer Konflikt konnte durch ein Abkommen zu diesem Zeitpunkt noch verhindert werden. In der Folge kam es zu vielen Scharmützeln und kleineren Krisen, aber auf moderatem Niveau. Im Dezember 1994 verstärkten beide Seiten ihre Militärpräsenz im Cenepa-Tal deutlich. Diese Aufrüstung wurde wahrscheinlich auch von der politischen Not Sixto Durán Balléns getrieben. Nach mehreren Schießereien und Gefangennahmen kam es am 24. Januar 1995 offiziell zum Krieg zwischen Peru und Ecuador.

Keine 50 Meter weiter findet ein Fußballtournier von Frauen und Mädchen statt. Südamerika ist geprägt durch Fußball. Ein Nationalsport geprägt von allen Geschlechtern und alter. Wenn man mit jemanden ins Gespräch kommen will, nimmt man das Thema Fußball. Die Zuschauer bei diesen Turnier sind sehr begeisterungsfähig und feuern ihre Mannschaft lautstark an.

Wir bummeln noch eine weile um den Platz, essen zum Schluss einen Eisbecher. Das Eis ist gut. Leider hatte ich Pech. Ich wollte einen Sahnebecher mit Erdbeeren. Frische Erdbeeren, die auch frisch waren. Die Sahne war allerdings nicht nach meinem Geschmack. Die Sahne war nicht wie bei uns so schön locker. Nein diese Sahne war sehr zäh, dickflüssig und eklig süß. Ich muss gestehen den Becher habe ich halbvoll stehen lassen. Das ist für mich in der Regel nicht akzeptabel. Ich werfe ungern Lebensmittel weg.

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