Ecuador/Kolumbien in Zeiten der Corona

Tag 6

Heute fahren wir in das Naturschutzgebiet Parque Ecologico y Recrativo Lago am Lago Agrio. Dieser Park befindet sich ca. 5 km vom Stadtzentrum entfernt. Am Parkeingang werden wir von einem bewaffneten Parkwächter begrüßt, der uns zu einem Parkplatz führte. Es war sehr wenig Betrieb. Wir fanden einen schönen Abstellplatz unter einem Baum für unser Auto. Im Verwaltungsgebäude bezahlten wir die Parkgebühren und hörten uns eine kurze Einweisung und Belehrung an und dann marschierten wir los.

Der Park hat eine Gesamtfläche von 110 Hektar und ist von 09 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt ein Dollar. Er ist auch gut mit dem Fahrrad über einen Fahrradweg zu erreichen. Seine Verwaltung wird von der Direktion für Tourismus der Gemeinde Lago Agrio seit seiner Eröffnung im Jahr 2009 durchgeführt. Der Park ist der erste Ort im Lago Agrio, der dem Schutz der endemischen Flora und Fauna gewidmet ist​. Nicht weniger als eine Million US-Dollar investierten OCP Ecuador und die Tourismusdirektion der Gemeinde Lago Agrio in die Rettung dieses Stück Natur. Seine größte Attraktion ist sein See. Die Sionas nannten es Psasa-pari-jaira, was „Chaparita“ bedeutet, d.h. Amazonas-Schildkröte. Der See hat eine Länge von 1200m und eine Breite von 400m. Darin finden wir Arten wie: Flussschildkröten, Bocachico, Piranhas, Guanchichen, Rochen und viele wirbellose Tiere. Der Park hat ein warmes, feuchtes Klima, ideal für tropische Arten. Seine Höhe schwankt auf 297 Metern über dem Meeresspiegel. Normalerweise hat seine Temperatur Bereiche zwischen 20 und 40 Grad Celsius. Überall auf seinem Territorium, sowohl terrestrisch als auch aquatisch, können Sie Arte wie Cuchuchos, Guanta, Guatusa, Gürteltier, Capybaran, Hirsche unter anderem finden. Ebenso haben Pflanzenarten eine lange Geschichte und werden meist als Heilmittel der Vorfahren verwendet. Hier finden wir Baumarten wie: Papayuelo, Feigenbaum, Gummibaum, Berg-Avocado, Pomarrosas und Riesenficus.  Darüber hinaus präsentiert es auf dem Landweg zwei Wanderwege, die die Lagune in fast ihrer gesamten Größe umgeben. Der Hoatzín-Weg (zu Ehren eines Vogels in diesem Sektor) umfasst etwa 850 Meter und der Psasa Pari Jaira-Weg 920 Meter. Der Park ist ein beliebte Familienattraktionen, die am Wochenende viele Besucher anlocken. Es gibt Radwege, Kanufahrten, Sportplätze, ein indigenes kulturelles Interpretationszentrum von Sucumbíos und am Ende des Psasa Pari-Pfades ein gastronomisches Zentrum.

Wir nehmen den Psasa Pari-Pfades der immer parallel zum Seeufer verläuft, wobei oft durch das dichte Pflanzengewirr das Ufer nicht zu sehen ist. Hier zeigt sich es mal wieder wie gut es ist einen heimischen Führer, in diesem Fall Nidia an der Seite zu haben. Ich höre zwar das Gebrüll der Affen. Aber sehen tue ich keine. Nur mit ihrer Hilfe gelingt es mir diese auch zu Gesicht zu bekommen.

Besonders beeindruckt war ich, als sie plötzlich stehen blieb und in Richtung Unterholz des Seeufers zeigte. Ich schaute und schaute. Konnte jedoch nichts erkennen. „Schau“ sagte Sie, eine Schlange. Da war ich sehr hellhörig. Da ich selbst Jahrzehnte lang Schlangen zu Hause pflegte. Von der Anakonda über Teppichpython bis zur Korallennatter. Jetzt konzentrierte ich mich besonders. „Na da unter dem Busch“ sagte sie. Ich sah nichts. Aus lauter Verzweiflung nahm ich mein Handy und fotografierte mit höchstem Zoom den Bereich. Ich hatte Glück, tatsächlich dort lag eine Schlange. Als ich später in Fachbüchern nachschaute, dürfte es sogar eine Grubenotter gewesen sein. In Ecuador leben ca. 200 Schlangenarten, davon sind 40 giftig.

Sehr interessant fand ich auch ihre Ausführungen über die unterschiedlichsten Heilpflanzen. Besonders hat es mir der Wurzeln angetan. Die Luftwurzel sieht aus wie ein Penis. Sie meinte zu mir, diese Wurzel wird von dem einheimischen Indianer gegessen, um ihre Fruchtbarkeit zu erhöhen, deshalb gibt es in den Familien so viel Kinder. Oft weiß ich bei ihr allerdings nicht, ob sie es ernst meint oder mich auf den Arm nimmt. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen das im Hinterkopf zu behalten. Vielleicht kann ich diese Information noch gebrauchen.

Am Ende des Weges gibt es einen Steg, der zum See hinausführt. Auf ihn lassen sich gut kleine Fische beobachten und fliegende Edelsteine namens Libellen. Restaurant war leider geschlossen, so dass wir die Strasse zum Eingang des Parkes zurückliefen. Was ich neben den spielenden Affen auf dieser Straße beobachtete, brachte mich zum Lachen. Ein Waldarbeiter saugt mit Hilfe eins tragbaren Gebläses, das auf der Strasse liegende Laub auf, das dann in Richtung Wald geblasen wurde. Irgendwie erinnerte es mich an Schildbürgertum.

Am Ende der Straße, also am Parkeingang stand ein Turm. Diesen quälte ich mich bei 35 Grad und trockener Kehle hoch. Von hier hatte man einen wunderbaren Ausblick über die Baumwipfel und den See. Hier ist auch der Ausgangpunkt für eine Seilrutsche über den See. Leider war sie nicht im Betrieb.

Nidia fragte mich, ob ich Lust auf habe Bootsfahrt. Unbekümmert sagte ich zu. Eine Stunde auf den See rumgerudert zu werden war doch verlockend. Fehleinschätzung, wir mussten rudern. Als Indianer war das kein Problem, aber ich, mit meinen zwei linken Händen war das nicht so einfach. Meistens ruderten wir im Kreis. Irgendwie schafften wir es doch an das andere Ufer und zurück.

Von hier fuhren wir an den Rio Orieneko. Keine halbe Stunde des Parks. Ein aufgestautes Bachbett, was zu einem Bad umfunktioniert wurde. Hier kann man sich sehr gut im kühlen (na gut, so kühl war es nicht) schwimmen und herrlich essen. Ich habe eine große Piranha auf den Teller und nach der Nachricht, die ich ein Tag vorher aus Brasilien gehört habe. Wo  diese Viecher einen Angler, der ins Wasser gefallen war, zerfleischt hatten. Wie heißt es in der Bibel, Zahn um Zahn, Auge um Auge.

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