Ecuador/Kolumbien in Zeiten der Corona

Tag 17

Heute geht es zurück nach Ecuador. Punkt 08:00 steht Rosi ((Moin Moin) mit ihren Mann Pit vor der Tür. Sie bringen uns mit ihrem Fahrzeug an die Grenze. Wir verladen unsere Sachen und das was Nidia gekauft hat in den Wagen. Wir verabschieden uns sehr herzlich von unseren Gastgebern, ohne zu ahnen das wir uns sehr bald wiedersehen werden.

Unser Weg führt uns wieder über die E45 Richtung San Miguel. Pit meinte er muss noch Tanken. Bei der Tankstelle, die er angefahren hatte, konnte er nicht Tanken. Sie hatte keinen Strom. Wie wir bald feststellen konnte, war das ein allgemeines Problem. Die ganze Nacht hat es ziemlich heftig geregnet. Irgendwo musste dadurch die Stromversorgung flächendeckend ausgefallen sein. Wir fuhren auf unserem Weg eine Tankstelle nach der anderen an. Überall dasselbe kein Strom, kein Benzin. Langsam machten wir uns sorgen. Irgendwo hinter Villagarzón hat es dann endlich funktioniert.

Jetzt konnte es endlich richtig zur Sache gehe, dachen wir. Es ging auch eine Stunde gut, bis wir plötzlich im Stau waren. Wir konnten die länge des Staus leider nicht einsehen. Die Fahrzeuge standen, es kam auch kein Fahrzeug entgegen. Nach ca. 45 Minuten wollte ich aussteigen und mal nachsehen. Da es aber wieder angefangen hat zu regen, zog ich es vor im Auto sitzen zu bleiben. Andere Fahrer die weniger Angst vor dem Regen hatten erzählten irgendetwas von einer abgerutschten Böschung. Das kann lange dauern. Die Kolumbianer scheinen daran gewöhnt zu sein. Mit störrischer Ruhe sitzen sie ihre Zeit ab, ich selbst werde immer nervöser und wütender. Nach weiteren 45 Minuten ging es im Schritttempo weiter. Nun kamen uns auch wieder Fahrzeuge entgegen. Nach weiteren 10 Minuten erreichten wir die stelle des Staubeginnes. Es war kein abgerutschter Hang, sondern ein Bus, der beim Überholmanöver eines Lastwagens sich in ihn regelrecht verkeilt hatte. Dieser Lastwagen war auch noch voll mit Gasflaschen beladen. Ich glaube hier hat ein Schutzengel über alle beteiligten gewacht.

Nun konnten wir entsprechend in Abhängigkeit des Straßenzustandes zügig fahren. Die Strecke führte eine Weile parallel den Fluss entlang. Dieser war über das Ufer getreten und hat die Umliegenden Flächen unter Wasser gesetzt. Die Bauernhäuser, die immer wieder zu sehen waren auf Stelzen gebaut, so dass sie zu mindestens von unten trocken blieben.

Gegen Mittag hielten wir an einem Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen. Die ganze Gegend war überflutet. Hin und wieder schaute ein kleiner Hügel aus den Wassermassen heraus. Unser Auto stand vor einer Brücke. Etwa10 Centimeter höher und die Strasse wäre überflutet. Gewesen. Das Restaurant war zum Glück nicht betroffen. Aber, der Weg zur Toilette. Uns blieb leider nichts übrig durch das Wasser zu stapfen, das bis an die Knöchel ging. Das wunderbare Essen hat uns dafür entschädigt.

Nach dem Essen ging die Fahrt weiter. Aber nur ca. 10 Minuten. Wir standen wieder im Stau. Wir konnten diesmal aber die Ursache sehen. Ein riesiger alter morscher Urwaldbaum lag auf der Straße. Das konnte lange dauern. Ich hatte recht, zwei Sunden hat man gebraucht die Strasse frei zu räumen. Ich beobachtete in dieser Zeit das Pilgerverhalten der warteten Frauen. Nach und nach kamen an uns Frauen vorbei die zu einer etwas tieferen gelegenen Finka liefen. Diese Häuser lagen etwa 200 Meter von uns entfernt. Sie standen zwar im trocknen aber die Toilette, die angesteuert wurde, konnte nur über Wasserwege erreicht werden. Wieder ging mir durch den Kopf. In Deutschland wäre das nicht möglich, dass dutzende Frauen natürlich nach Anfrage eine fremde Toilette benutzen.

Nach dem wir unsere Fahrt fortsetzen konnten kamen wir gegen 17:00 an unserer bekannten Überssetzstelle an. Diesmal bot sich ein anderes Bild. Durch den Regen war der Fluss ziemlich angeschwollen. Die Strömung war nicht ohne. Es dürfte nicht sehr angenehm sein jetzt ins Wasser zu falle. Von dem breiten Schotter Ufer war nichts mehr zu sehen. Das Wasser ging bis an die Uferböschung heran. Das scheint aber den Tatendrang der Menschen keinen Abbruch zu leisten. Es ging hier zu wie auf den Marktplatz. Diesmal zahlten wir 9 Dollar für die Überfahrt.

An Nidias Gesicht war zu sehen, das die starke Strömung ihr ein wenig Sorgen bereitete. Wir mussten eine Schwimmweste anlegen. Das Kanu fuhr jedoch nicht an das gegenüber liegendem Ufer, sondern folgte den Fluss mit der Strömung abwärts. Nach ca. 15 Minuten fahrt erreichen wir die Ortschaft Gral. Farfan. Es war schon ein wenig komisch. Während dieser Fahrt fuhren wir unter der Brücke International, wo sich die reguläre Grenzübergangsstelle befindet. Oben die Grenzpolizei und der Zoll und unten wir, nicht ganz legal. Irgendwie schafften wir es auch, trockenen Fußes aus dem schwankenden Kanu zu steigen.

Das Kirchenspiel und Ortschaft General Farfán ist eine kleine Ortschaft mit etwa 6700 Einwohner. Auf einer Höhe von 275 Metern. Durch ihr führt die Fernverkehrstrasse E54 nach Columbien.

Die Ortschaft wurde nach dem Patrioten und Unabhängigkeitskämpfer General Antonio Farfán benannt. Er galt als einer der besten Generäle von Bolivar. Seine Leistung war so entscheidend, dass er einer der zehn war, die die Goldmedaille der „9 de Octubre“ erhielten, mit der der Stadtrat von Guayaquil diejenigen auszeichnete, die sich während der Ereignisse dieses Tages am meisten auszeichneten.

Nidia kaperte sich sofort ein Überlandtaxi und handelte einen Preis aus. Nachdem wir alles auf der Ladefläche verstaut hatten, drängelten sich noch eine Frau und ihr größerer Sohn ins Fahrerhaus, so das hinten vier Personen sitzen mussten. Da ich vorne neben den Fahrer sahs hat es mir nicht viel ausgemacht.

Die 18 km nach Hause haben wir relativ schnell hinter uns gelassen. Ich war froh diese 10 Stunden gut überstanden zu haben. Für Nidia gab es eine böse Überraschung. Neun von ihren 10 Küken haben den vielen Regen nicht überlebt.

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