Ich habe Angst, ja – aber nicht vor den Russen

Hurra, endlich geht es mit der Nato einen starken und erfahrenen Führungspartner die USA an der Seite wieder aufwärts. Viel wichtiger ist, man hat ein altes neues Feindbild. Wenn man die Hetzreden unserer führenden Politiker glauben kann, steht der Russe waffenstarrend an der Ostgrenze der EU und wartet ungeduldig darauf über unsere wunderschönen Länder herzufallen, unsere Frauen zu vergewaltigen und unsere Kinder als Sklaven, wenn sie nicht gerade gefressen werden nach Sibirien zu verschleppen. Schauderhafte Aussichten nicht war.

Komischer weise, ich habe keine Angst vor der Mordlust der Russen. Ich fühle mich von ihnen weder bedroht, noch glaube ich daran das Russland einen Krieg mit der Nato vom Zaun brechen wollen. So denken wohl laut einer Umfrage 2020, 54% der deutschen Bevölkerung. Angst habe ich vor allen von der USA und damit auch von der Nato, die bedenkenlos Kriege von Zaun brechen, um ihre Geopolitischen Interessen weltweit durchzusetzen.

Spontan fällt mir der Angriff der Nato auf Serbien am 24. März 1999 ein. Es war ein Angriffskrieg ohne UN-Mandat mit den wichtigsten Zielen:

Durchsetzung des weltweiten Führungsanspruches der NATO unter US-Führung bei gleichzeitiger Ausschaltung von OSZE und UNO.

 Sicherung der Existenzberechtigung der NATO und Auslastung der Rüstungskapazitäten.

Disziplinierung des Fremdkörpers Serbien als letztes mit Russland und China verbundenes Land in Europa, das sich der Globalisierung widersetzt hat.

Möglicher Präzedenzfall für künftige Konflikte im Kaukasus.

Im Zusammenhang der Krim-Krise beurteilte Altbundeskanzler Gerhard Schröder den Angriff von 1999 als Verstoß gegen das Völkerrecht: Da haben wir unsere Flugzeuge (…) nach Serbien geschickt und die haben zusammen mit der Nato einen souveränen Staat gebombt – ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte. (F.A.Z., 10.3.14)

Sein Vorgänger, Altbundeskanzler Helmut Schmidt hielt bereits 1999 die deutsche Kriegsbeteiligung für nicht zu rechtfertigen: Gegängelt von den USA haben wir das internationale Recht und die Charta der Vereinten Nationen missachtet. (FR, 3./4.4.99)

In unserer Erinnerung ist auch der Völkerrechtswidrige Krieg der USA und seine Verbündeten gegen den Irak am 20. März 2003. Begründet wurde diese Aggression als notwendigen Präventivkrieg, um einen angeblich bevorstehenden Angriff des Iraks mit Massenvernichtungsmittel auf die USA zu verhindern. Wie wir alle wissen, eine vorsätzliche Lüge. Bush gefällt die Nase von Saddam Husseins nicht und muss gestürzt werden. Es war ein Bruch des Verbots eines Angriffskrieges in der UN-Charta und somit völkerrechtswidrig.

Mit folgendem Ergebnis: Iraqbodycount zählte auf Grundlage von mindestens zwei übereinstimmenden Berichten aus unterschiedlichen Medienorganen bis Ende 2011 mindestens 108.000 getötete Zivilisten. Nach dem Kriegsende kam es während der Besatzung des Irak zwischen 2003 und 2011 zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Es kam zu tausenden Terroranschlägen und Kriegshandlungen verschiedener irakischer Gruppen gegeneinander als auch gegen die westlichen Besatzungstruppen. Sie forderten vor allem unter irakischen Zivilisten eine unbekannte Anzahl Todesopfer und Verletzte. Auch nach dem Abzug der ausländischen Truppen 2011 kommt es zu keiner Befriedung des Landes. Die Expansion des Islamischen Staates und ihre Erfolge beruhen zum großen Teil als Folge des Irakkriegs.

Es macht mir auch Angst, dass sich die EU und damit die Nato ständig in die Angelegenheit anderer Völker einmischt und versucht anderen Ländern ihr Demokratieverständnis aufzuzwingen. Laut Aussage des früheren ukrainischen Premierminister Nikolai Janowitsch Assow hätte es ohne Hilfe der USA keinen Staatsstreich gegeben. Das Ergebnis sehen wir. Tod und Elend in der Ostukraine.

Dasselbe Vorgehen im Arabischen Frühling September 2010. Statt sich aus den inneren Problemen dieser Völker herauszuhalten, legt die EU noch zusätzlich Feuer. Statt den Völkern ihren Weg selbst beschreiten zu lassen, werden sie im Sinne der sogenannten Europäischen Werte eingeschworen. Das Ergebnis, aus einer stabilen Region ist ein Konfliktherd geworden, unstabil mit tausenden Toden, zerstörte Infrastruktur und eine Bedrohung des Weltfriedens.

Das haben wir der EU unter Führung der USA zu verdanken und nicht Russland.

Was wirft man, Russland vor? Ich glaube Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die Katze aus dem Sack gelassen als er Russland maßregelte in dem sinngemäß zum Ausdruck brachte, das Russland nicht bereit sei nach den Spielregeln der Nato zu spielen. Was ist das für eine Arroganz? Wenn das Herr Stoltenberg bisher nicht kapiert hat, Russland ist kein Teil der Nato und spielt nach seinen eigenen Spielregeln. Ebenso könnte ich fragen, wieso unterwirft sie die Nato nicht den russischen Spielregeln. Die Überheblichkeit des Herrn Stoltenberg gegenüber Russland ist auch aus seinem Sprachgebrauch zu erkennen. Er „warnt“, „ermahnt“ und „droht“ den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Ich denke das ist diplomatisch unterste Schublade.

Die EU fühlt sich von Russland bedroht. Gut – was glaubt den die EU wie sich Russland fühlt. Es gab nach dem kalten Krieg ein mündliches Abkommen, das die NATO sich nicht weiter Richtung osten ausbreitet. Ich verstehe nicht, wieso das Gorbatschow dies damals für bahre Münze gehalten hat. Die NATO hatte nie die Absicht gehabt sich daran zu halten. Es gibt auch keine Handhabe, einen Staat zu hindern freiwillig irgendeinen Packt beizutreten.

Das Ergebnis ist, die Nato erweitert immer mehr seine Grenzen und umklammert Russland. Wer muss jetzt Angst vor wem haben? Die Nato erweitert unermüdlich seinen Einflussbereich und wundert sich dann, das Russland eine „rote Linie“ überschritten sieht

Spitze der Frechheit ist, dass die NATO unter Wort Führung Stoltenberg Russland und China militärisch zusammenarbeiten. Warum sollen nicht? Nato besteht aus dreißig Mitgliedsländer ohne Freunde der Nato wie Kolumbien mitzuzählen. Die NATO darf sich erweitern. Russland und China nicht?

Die Aggressivität Russland wird immer nachgewiesen mit der Eingliederung der Halbinsel Krim im März 2014. Die Eingliederung der Krim erfolgte auf der Grundlage eines Referendums. Auf derselben Grundlage wie das Referendum in Kosovo, wo sich dieses Land einseitig von Serbien abspaltete. Gegen das Völkerrecht ist die Okkupation der Golanhöhen und Vertreibung der arabischen Bewohner durch Israel.

Ukraine und Russland sind historisch tief miteinander verwurzelt. Die Kiewer Rus war sogar einmal Kernland von Russland. In der Ostukraine sind die meisten Bewohner Russen. Jetzt überlegt mal selbst. Die neue ukrainische Regierung äußert die Absicht die russische Sprache und russische Traditionen verbieten zu wollen. Eine Rebellion in diesen Gebieten war doch vorprogrammiert. Russland hat diese Verbote nicht angestrebt. USA schreibt auf seiner Fahne, USA Bürger weltweit unter Einsatz von Waffengewalt zu schützen. Warum soll Russland dies nicht auch tun?

Was Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates betrifft brauchen wir nicht weiterreden. Denken sie an Pinochet, Iran und auch Ukraine. Mr. Obama hat selbst bestätigt, dass die Führer des Maidan ständig zu Konsultationen in der amerikanischen Botschaft waren. Mit was für ein Recht sagen die Amerikaner welche Regierung die Ukrainer brauchen. Was ist mit dem Versuch durch einen amerikanischen Söldner den Venezuelischen Präsidenten Nicolas Manduro zu entführen? Das sind nur wenige Beispiele, die mir spontan einfallen.

In meinen Augen geht in erster Linie die Aggressivität nicht von Russland aus, sondern von der Nato. Es ist erschreckend zu hören und zu lesen, wie führende Politiker Hass und Lügen verbreiten, um die beispiellose militärische Aufrüstung zu begründen. Die Dummheit dieser Leute geht so weit, dass sie gedanklich schon wieder einen begrenzen Nuklearkrieg für durchführbar halten. Unter Einbeziehung der bürgerlichen Presse wird gehetzt was das Zeug hält, um in der Bevölkerung die Angst gegenüber Russland zu schüren und den Nährboten eines zukünftigen Krieges vorzubereiten. Wenn man ständig zu hören bekommt, dass Russland Krieg will, glaubt man das irgendeinmal.

Die Frage ist nur, woher kommt dieser Hass? Der große Feind, den man Kommunismus nennt ist besiegt. Es gibt ihn nicht mehr. Russland ist ein zutiefst kapitalistisches Land. Kapitalistischer als die USA, England oder Deutschland. Also ein natürlicher Verbündeter, wie man meinen könnte.

Russland weigert sich in „boshafter“ weiße den Amerikanern und Europäern kostengünstig (quasi geschenkt) an ihre natürlichen Ressourcen zu lassen. Also, wird es mit Gewalt genommen. Das wird uns jedoch sehr schlecht bekommen. Der russische Mensch ist genügsam, er liebt seine Heimat. Er hat die Tataren überlebt, Napoleon vertrieben und den Faschismus zerschlagen. (Was in der westlichen Welt leider zunehmend vergessen wird) Er wird auf keinen Fall, sich die die westlichen Werte aufzwingen lasse.

Ja, ich habe Angst um meine Kinder und Enkel. Aber nicht vor Russland. Sondern vor unseren Politikern, die verlernt haben, realistisch zu denken.

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